Kurz zusammengefasst: Bei Snapchat kann Helmit heute die Zeit begrenzen und die App sperren, die Nachrichten selbst aber nicht prüfen. Auf Android bekommen wir das über das Gerät hin, auf dem iPhone lässt Apple es nicht zu. Parallel setzen wir uns in Brüssel dafür ein, dass auch Snapchat Eltern einen offiziellen Weg geben muss.
Warum Snapchat
Snapchat ist bei vielen Jugendlichen nicht eine App unter vielen, sondern der Ort, an dem der Alltag stattfindet. Wer nicht dabei ist, bekommt nicht mit, was läuft. Deshalb hilft ein reines Verbot selten.
Drei Dinge machen Snapchat anders als WhatsApp:
- Nachrichten verschwinden. Das ist keine Einstellung, sondern die Grundidee der App. Wer etwas Verletzendes schreibt, hinterlässt keine Spur, und das senkt die Hemmschwelle spürbar.
- Streaks erzeugen Pflichtgefühl. Ein Streak reißt, wenn 24 Stunden nichts kommt. Kinder verschicken deshalb morgens vor der Schule Snaps an dreißig Leute, und im Urlaub geben sie Freunden ihr Passwort, damit die Zahl nicht abbricht.
- Die Snap Map zeigt den Standort. Wer sie nicht bewusst ausschaltet, teilt laufend mit Freunden, wo er gerade ist.
Dazu kommt ein Risiko, das auf Snapchat besonders häufig auftritt: Erpressung mit Nacktbildern. Der Ablauf ist fast immer derselbe. Ein fremdes Profil schreibt freundlich an, das Gespräch kippt schnell ins Sexuelle, ein Bild wird verschickt, danach kommt die Geldforderung. Betroffen sind besonders oft Jungen zwischen 13 und 17. Weil sie glauben, dass ohnehin nichts gespeichert wird, schicken sie das Bild, und weil sie sich schämen, erzählen sie es niemandem.
Was Helmit für Snapchat können soll
Wir wollen nicht die Chats deines Kindes vorlesen. Bei einer App, in der es um Vertrautheit unter Freunden geht, wäre das der schnellste Weg, das Vertrauen zu Hause zu verlieren.
Was wir wollen, ist eine Warnung in genau den Momenten, die zählen:
- wenn ein fremdes Profil Kontakt aufnimmt und das Gespräch in eine bekannte Richtung läuft,
- wenn Druck aufgebaut wird, mit Bildern, mit Geld, mit Drohungen,
- wenn dein Kind beleidigt oder gezielt ausgeschlossen wird,
- wenn jemand Drogen anbietet.
Nicht alles sehen, sondern rechtzeitig Bescheid wissen. Genau so arbeitet Helmit heute schon bei WhatsApp, Signal und Discord.
Was wir versucht haben
Bei WhatsApp und Signal funktioniert Helmit, weil diese Apps etwas anbieten, das Snapchat nicht hat: Man kann ein zweites Gerät mit demselben Konto verbinden. Das ist eine offizielle Funktion dieser Apps, und genau darüber läuft unsere Analyse, mit Zustimmung und ohne Tricks.
Snapchat hat nichts Vergleichbares. Kein zweites Gerät, keine Schnittstelle für Eltern, keinen offiziellen Weg zu den Inhalten. Das Family Center von Snapchat zeigt dir, mit wem dein Kind in den letzten sieben Tagen geschrieben hat, aber nicht, worüber.
Dazu kommt ein Punkt, der wenig bekannt ist. Bei Instagram und TikTok hilft uns die europäische Regulierung: Diese Konzerne sind verpflichtet, Daten herauszugeben. Für Snapchat gilt diese Pflicht nicht, weil Snap als kleinerer Anbieter eingestuft wird. An dieser Stelle ist es also kein technisches Problem mehr, sondern ein politisches, und genau deshalb sind wir in Brüssel aktiv.
Bei Helmit fangen wir immer bei der Frage an, was möglich wäre, und nicht bei der Frage, was üblich ist. Wir probieren jeden Weg durch, auch die, bei denen andere früh abwinken, und wir hören erst auf, wenn wirklich keiner mehr übrig ist. Manchmal kommt dabei ein Zugang heraus, den vor uns niemand hatte, so wie bei Instagram. Und manchmal kommt dabei heraus, dass es auf einem Gerät wirklich nicht geht. Beides schreiben wir hier auf.
Bei Snapchat haben wir alles probiert. Kein Weg führt zu etwas, das zuverlässig läuft und das wir guten Gewissens anbieten würden.
Am Erkennen liegt es dabei nicht. Unsere Analyse läuft bei WhatsApp, Signal und Discord jeden Tag und findet genau die Muster, um die es bei Snapchat geht, von Erpressung über Grooming bis Mobbing. Es fehlt nicht die Technik, es fehlt der Zugang.
Der Haken: das iPhone
Auf Android bekommen wir das hin. Dort dürfen wir direkt am Gerät ansetzen, also an der Stelle, an der die Nachricht deinem Kind angezeigt wird, und genau daran arbeiten wir gerade. Wenn es soweit ist, steht es hier und du bekommst in der App Bescheid.
Auf dem iPhone gibt es diesen Weg nicht.
Apple erlaubt es keiner App, in eine andere App hineinzusehen. Jede App läuft in ihrem eigenen abgeschlossenen Bereich. Das ist keine Einstellung, die sich umlegen lässt, sondern das Fundament, auf dem iOS gebaut ist, und es gilt für alle gleich, auch für uns. Deshalb können wir auf dem iPhone Apps sperren und begrenzen, aber nicht in sie hineinsehen.
Ausblick
Zwei Dinge tun wir.
Snapchat auf Android fertig machen. Der Weg über das Gerät funktioniert grundsätzlich, jetzt geht es darum, dass er im Alltag zuverlässig läuft.
In Europa Druck machen. Wir sind mit der Europäischen Kommission im Gespräch, weil wir es für falsch halten, dass große Plattformen selbst entscheiden dürfen, ob Eltern einen offiziellen Weg bekommen oder nicht. Bei Instagram und YouTube hat die EU bereits durchgesetzt, dass Daten herausgegeben werden müssen. Genau dort setzen wir auch für Messenger an. Das dauert, aber es ist die einzige Lösung, die am Ende für alle Familien gilt und nicht nur für die mit dem richtigen Handy.
Was du heute schon einstellen kannst
- Zeitlimit setzen und nachts sperren: In der Helmit App unter Familie, Kind auswählen, App-Zeitlimits. Die Nacht ist der wirksamste Hebel, denn Streak-Pflicht und Schlaf vertragen sich schlecht.
- Snap Map auf Geistmodus stellen: In Snapchat auf die Karte gehen, oben rechts auf die Einstellungen, dann Geistmodus. Danach sieht niemand mehr den Standort deines Kindes.
- Family Center einrichten: Es zeigt dir, mit wem dein Kind schreibt, und ist mit ein paar Klicks aktiviert. Es ersetzt keine Inhaltsprüfung, aber es macht neue Kontakte sichtbar.
- Kontaktaufnahme einschränken: In den Snapchat Einstellungen unter Privatsphäre festlegen, dass nur Freunde Nachrichten schicken können.
- Einmal offen über Erpressung sprechen. Das ist wirksamer als jede Einstellung. Ein Satz reicht: Wenn dich jemand mit einem Bild unter Druck setzt, komm zu mir, du bekommst dafür keinen Ärger. Und die drei Regeln dazu: nicht zahlen, nichts löschen, sofort blockieren und melden.